Es wird dagewesen sein

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Foto: (c) Christian Streili

Die Auseinandersetzung mit der Zeit ist die Triebkraft in Angelika Wienerroithers fotografischen Bildern und Videos. So entstand eine scheinbar abstrakte, 16-teilige Bildserie, doch hinter jedem einzelnen Bild liegt ein individueller und analoger Entstehungsprozess; das fertige Werk ist Dokument dieser Langzeitbelichtungen. Parallel dazu verwendet sie nicht den „einen” Moment, um einen Menschen zu porträtieren, sondern dehnt den Augenblick auf ein drei Minuten langes Filmporträt.

Die ehemaligen Gärhallen sind ein besonderer Ort. Die Feuchtigkeit zeichnet Muster an die Wand, der Rost verformt die Rohre in ein Kunstwerk der Zeit. Das Ticken der Uhr schreibt sich durch Staubablagerung in die Hallen ein. Wienerroither interessiert die Frage, wie Fotografie das Vorrücken der Zeiger sichtbar machen kann: Wie die Stunden, Monate, Jahre die Gärhallen geformt haben, hat die Zeit auch ihre Filmnegative verändert.

Dabei drückt die Künstlerin keinen Auslöser an einer Kamera. Sie gibt ein Setting vor und überlässt es dem Leben, die Fotografien zu machen. In drei Stunden und 20 Minuten friert etwa Wasser in ihrem Tiefkühlfach zu Eiswürfel. Das Filmnegativ liegt an der Oberfläche, berührt das Wasser, das langsam zu Eis wird. Wie sich dieser Prozess auswirkt, sieht man an dem Bild an der Wand.

In 35 Stunden und 30 Minuten reist die Künstlerin 18.612 Kilometer, von der Kings Cross Road in Sydney nach Melbourne, von Abu Dhabi nach München, vom Bahnhof bis zu ihrer Wohnung in Salzburg. Das Negativ fliegt in einer Dose voll Sand mit. Jedes Ruckeln hinterlässt Spuren in der sensiblen Oberfläche.

Angelika Wienerroither bildet das Rauschen der Zeit ab. Und für dieses Rauschen braucht es Zuseher. Wie in einem Kino sitzen zwei Personen scheinbar den Fotografien gegenüber. Sie blicken von den zwei Bildschirmen dem

Publikum direkt in die Augen und nehmen sie doch nicht wahr. Die Personen wurden gebeten, drei Minuten auf einem Stuhl Platz zu nehmen und – wie bei Andy Warhols “Screen Tests” – in die Kamera zu starren.

–  Herman Seidl, Gründer FOTOHOF Salzburg

Die Werke werden während der Ausstellung des Künstlerkollektivs „blurred” in den ehemaligen Gärhallen der Trumer Brauerei gezeigt.

cof

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